Fabre et Bouet


So wie die Originalrezeptur mit den Mönchen des Klosters Saint-Antoine im französischen Vercors verknüpft ist, ist die Bewahrung und Fortführung dieser Tradition mit den Namen zweier Schweizer Apotheker – Monsieur Fabre und Monsieur Bouet – verbunden.

Tatsächlich durchlebte der französische Orden im 17. Jahrhundert eine schwierige Zeit. Aufgrund zunehmender Konflikte flohen die Hüter des Geheimnisses des Eau d’Arquebusade in die Schweiz, wo sie das Arquebusade Wasser weiter herstellen.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts zog es zwei Apotheker, Monsieur Fabre und Monsieur Bouet, nach Lausanne, weil sie vom erfolgreichen Medikament gehört hatten. Sie statteten den Mönchen einen Besuch ab, um die Originalrezeptur gegen eine aus Mildtätigkeit gegebene Spende in bedeutender Höhe zu erhalten. Vereinzelte Aufzeichnungen besagen, dass das Wasser in der Zusammensetzung und im Herstellungsverfahren gemäß der Originalrezeptur bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts hergestellt wurde.

Geschichtliche Forschungen und Dokumentationen belegen, dass die beiden Apotheker die ersten waren, die ab 1790 das echte Arquebusade Wasser in großem Ausmaß vermarkteten. Dies wird durch Korrespondenz und Rechnungen einschließlich aus dem Jahr 1791 bewiesen, als der Handelsbetrieb Fabre & Bouet Swiss die ersten größeren Verkaufserfolge ernten durfte.

„Das Arquebusade Wasser ist in den vergangenen Jahren in Europa sehr populär geworden. Im Ausland ist man sich einig, dass das in der Schweiz aus den Heilpflanzen der Alpen hergestellte Arquebuse Wasser einen gewissen Grad an Perfektion und Reinheit repräsentiert, der bis dato unerreicht war. Aus diesem Grund verschicken wir jedes Jahr eine große Warenmenge nach Frankreich, Holland, Deutschland und insbesondere nach Großbritannien.

1772 setzte Otto Wilhelm Struve, Arzt in Lausanne, den Vertrieb des eau-de-vie de marc in weiterer Folge vor allem unter der Bezeichnung Arquebusade Wasser fort, deshalb ist es heute in Großbritannien so bekannt …”*

 

Einzelne Aufzeichnungen besagen, dass Messieurs Fabre & Bouet das Arquebusade Wasser mit großer Sorgfalt in bester Qualität herstellten und sich aufgrund der erfolgreich wachsenden Produktion einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten sichern konnten, die das Wasser ihrerseits in sehr kleinen Mengen produzierten.

Das Fabre & Bouet® Arquebusade Wasser wurde rasch bekannt, in ganz Europa veräußert und erfreute sich immer eines hervorragenden Rufes. Die Handelsbeziehungen zwischen Lausanne und Großbritannien blühten, weil die Heilkraft des Schweizer Qualitätsprodukts Arquebuse Wasser bereits international anerkannt war.


Das Arquebusade Wasser als Exportware von Lausanne nach England im 18. Jahrhundert: Beispiel aus dem Haus Fabre und Bouet. Zu Beginn der 90-er Jahre des 18. Jahrhunderts.
HUGUES JAHIER

Einleitung

Briefwechsel zwischen Hugues Jahier und dem Handelsbetrieb Fabre & Bouet, Ende des 18. Jahrhunderts.

Die Ausfuhr eines Produkts aus der Lausanne (Schweiz) nach England im 18. Jahrhundert.

Das Arquebusade Wasser, ein Produktmuster des Handelsbetriebs Fabre & Bouet aus den 90-er Jahren des 18. Jahrhunderts (Auszug aus der Korrespondenz)

1781 wurden der Kanton Vaud und seine kleineren Zentren als Orte der „blühenden Fabriken und Manufakturen“ bezeichnet.

Bereits seit den 80-er Jahren des 18. Jahrhunderts war der Schweizer Kanton Vaud ein bevorzugter Urlaubsort für britische Bürger, die sich dort zuweilen sogar gerne niederließen. Als wichtigste Konsequenz daraus entstanden zwischen den Briten und den Bürgern des Kantons Vaud zweiseitige Handelsbeziehungen. Den verschiedensten Produkten der jungen Industrie Großbritanniens, die über hervorragende Qualität verfügten und zugleich die meiste Nachfrage erfuhren (insbesondere im Bereich der Hütten- und Textilindustrie), wurde die freie Bahn zu den Märkten Europas geebnet. Aufgrund der bereits bestehenden zweiseitigen Handelsbeziehungen wurde Vaud zu einem bevorzugten Handelspartner Großbritanniens.

Die Uhrenproduktion in Vaud war im Vergleich zu jener in Genf oder Neuchatel im Juragebirge von bescheidenerer Bedeutung.

Großbritannien wurde bis zum Ende des Jahrhunderts durch die Linie Yverdon zum größten Lieferanten an erforderlichen Materialien und Instrumenten der Uhrenindustrie des Tals Joux (Louis Rochat & Gebrüder, Brassus, Méylan & Samuel Le Coultre, Handelsbetrieb Jacob Valloton, Vallorbe, Sainte-Croix, Daneil Addor, etc.).

Eine Frage tauchte allerdings auf: Handelte es sich dabei um einen einseitigen Import von Waren aus Großbritannien in die Schweiz? Angenommen es hätte damals nur Exporteure von Souvenirs mit gravierten Hirtenszenen und ein paar berühmte Fabrikanten gegeben, dann wäre diese Frage wohl zu bejahen, aber in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts tat sich Lausanne mit zwei besonderen Originalprodukten hervor, deren Herstellung besonders fachgerecht vorgenommen wurde, die exportiert wurden und binnen kürzester Zeit auch in den Geschäften Londons verfügbar waren:

1.) Beim ersten Produkt handelte es sich um Pastellstifte in einem breiten Spektrum an Farben, die Mitte des Jahrhunderts (um ca. 1770 herum) von Stoupan vorgestellt worden waren. Aufgrund ihrer leuchtenden Farbpigmente und ihrem hervorragenden Material konnten sie höchste Qualität für sich beanspruchen. Ein gewisser Mr. Helmod  führte diese Pastellstifte zu Beginn der 90-er Jahre des 18. Jahrhunderts nach Leipzig, Berlin, St. Petersburg, Moskau und London ein. Im Herbst 1793 erklärte Mr. Helmod, dass er im Sommer davor bereits die gesamte britische Hauptstadt mit seinen Pastellstiften versorgt habe.

2.) Beim zweiten Produkt handelte es sich um ein „Wunderwasser“, welches durch Destillation von Blumen und Heilpflanzen aus den Alpen hergestellt wurde: Seine Name war Arquebusade Wasser.

Die Produktion und der Vertrieb dieses Produkts ermöglichte die Verwendung des Begriffs Import-Export zwischen Großbritannien und Vaud, deren Handelsbeziehungen zuvor durch Unausgewogenheit gekennzeichnet gewesen waren.